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Du brauchst keine neue Kamera!

Die erste Frage, die Fotografen hören, wenn sie ein schönes Foto gezeigt haben ist meist: „Welche Einstellungen hast du verwendet?„. Mindestens genauso oft hören Fotografen die Frage: „Mit welcher Kamera hast du das Foto gemacht„.

Das ist genau genommen in etwa so beleidigend wie einen Haubenkoch zu fragen, mit welchem Topf er gekocht oder mit welchem Messer er die Zutaten geschnitten hat. Oder einen Author danach zu fragen, mit welchem Stift er geschrieben hat. (Oder mit welcher Software) 

Die Wahrheit ist doch, wenn ich 10 Fotos auf gleichem Papier mit dem selben Drucker ausdrucke und an die Wand hänge, wer kann mir dann sagen, mit welcher Kamera welches dieser Fotos gemacht wurde?

Genau. Niemand.

Egal wie professionell der Profifotograf auch sein mag, niemand kann diese Frage beantworten.

Wir hatten vor kurzem einen Workshop bei mir im Studio zum Thema Charakterportrait. Dabei haben wir 4 Charaktere portraitiert. Jeder der 8 Teilnehmer hat seine eigene Kamera dafür gebracht.

Da gab es Sony, Nikon, Canon und ich glaube auch eine Olympus. Die Preisklassen gingen von ca. 700,- bis 6.000,- Euro.

Am Ende haben wir ein fertiges Bild auf Din A2 ausgedruckt und an die Wand gehängt.

Unterschied zu den anderen Fotos die dort hängen? Ganz genau null.

Ich habe das Lichtsetup für die Bilder mit den Workshopteilnehmern gemacht und ich habe ihnen danach mit einem Beamer meine Bildbearbeitung die ich üblicherweise bei Charakterportraits anwende gezeigt.

In anderen Worten – technisch betrachtet habe ich diese Fotos gemacht und den Teilnehmern gezeigt wie ich arbeite. Wenig überraschend hat das Ergebnis ausgesehen, wie ein Foto von mir. Das ist ja auch mein Beruf!

Ich kann das was ich tue mit jeder Kamera die RAW speichern kann und nicht tatsächlich unter „Spielzeug“ kategorisiert wird machen. Genau wie jeder andere Fotograf der seinen Job beherrscht.

Kamera kaufen – Sind also wirklich alle Kameras gleich?

Ja selbstverständlich gibt es Unterschiede. Woher sonst kämen die enormen Preisunterschiede zwischen 500,- und 10.000,- für eine Kamera.

Bildrate, ISO- Leistung, Dynamikumfang, Sensorgröße und Qualität, Stabilisierung, Megapixel, Flip-Screen, Wi-Fi, usw. variieren selbstverständlich. Die Frage (die sich aber zu wenige Fotografen anscheinend stellen) ist, ob du diese Funktionen tatsächlich brauchst und in welchem Umfang?

20 Bilder pro Sekunde machen zu können ist großartig, wenn du professioneller Sportfotograf bist.

Aber wenn du das nicht bist, welchen Vorteil hast du davon? Dass du deinen Hund 200 mal Fotografieren kannst während er auf dich zuläuft? Ja das ist lustig. Ist dir das alleine 3.000,- Euro oder mehr wert? Den meisten Fotografen nicht.

Eine Kamera zu haben die bei ISO 128.000 noch immer brauchbare Bilder macht ist schön. Brauchst du das für deine Arbeit wirklich, oder sind andere Punkte vielleicht viel wichtiger? Läßt sich vielleicht ein Stativ verwenden oder einfach nur Licht? Und sei es nur die LED eines iPhones?

Die meisten Kameras heutzutage sind in Wahrheit gleich wie vor einem Jahrzehnt, nur mit mächtigeren Daten. Mehr von all dem, was es immer schon gegeben hat.

Ist das schlecht?

Absolut nicht.  Ich liebe dieses Spielzeug auch.

Schlecht wird es dann, wenn Menschen davon erwarten, bessere Fotos zu machen.

Bessere Fotos machst du nicht mit einer besseren Kamera allein. Im Gegenteil. Wenn du besser fotografieren kannst, dann kannst du das auch mit einer älteren Kamera.

Aber hast du nicht auch eine neue Kamera?

Ja, ich habe zur Zeit eine Canon EOS 1DxmkII, eine 5DmkIII und demnächst vermutlich eine EOS R im Studio.

Ich gebe auch zu, neue Kameras sind schön. Aber ich kaufe die nicht, weil sie neu sind und meine Arbeit dadurch so viel besser wird.

In erster Linie kaufe ich eine neue Kamera, wenn die alte an ihre Grenzen gerät.

Entweder weil die Auslösungszahl erreicht ist ab der der Verschluss anfällig werden kann, denn ich möchte nicht mitten in einem Shooting plötzlich mit einem versagenden Auslöser dastehen. Oder wenn in einer neuen Kamera tatsächlich eine Funktion auftaucht, die mir das Leben erleichtert, meine Arbeit beschleunigt oder mir auf irgend eine Weise Zeit = Geld und/oder Nerven sparen hilft.

Mache ich deswegen bessere Fotos nachdem ich eine neue Kamera gekauft habe?

Absolut nicht.

Was hilft denn dann, bessere Fotos zu machen?

Wenn wir schon über Verbesserungen beim Equipment reden, dann sollte man zuerst immer einen Blick auf die Objektive werfen.

Vielleicht würde ein neues Objektiv weit mehr bewegen, als eine neue Kamera?

Oder wie wäre es mit einer zusätzlichen Festplatte um ein ordentliches Backup der bestehenden Fotos zu haben? Ich kann noch immer nicht glauben, wie viele Fotografen ohne Backup arbeiten.

Ein Stativ? Könnte das vielleicht helfen bessere Langzeitbelichtung bei Nacht zu machen?

Investiere lieber in dich als in die Kamera!

Oder wäre das Geld vielleicht in einem Workshop, Fotokurs oder einer Fotoreise besser investiert als damit eine Kamera kaufen?

Für einen Bruchteil der Kosten einer neuen Kamera kann dir ein guter Fotokurs oder Workshop beibringen, wie du aus deinem bereits vorhandenem Equipment mehr rausholen kannst, wie du dein Auge trainierst und bessere Fotos machst mit jeder Kamera die du in die Finger bekommst.

Der schönste Moment für mich in jedem Workshop ist, wenn jemand auf den Bildschirm seiner Kamera schaut und sagt „wow, das hat meine Kamera gerade gemacht?„.

Nein. Das hast Du gerade gemacht! 

Egal wie toll die neue Kamera sein mag, es ist wissenschaftlich erwiesen, dass selbst der Kauf eines 100.000,- teuren Lamborghini den du dein Leben lang schon haben wolltest maximal 2 Wochen lang ein Glücksgefühl erzeugen kann. Dann ist der Spaß wieder vorbei und das Auto „normal“.

Ebenso ist das mit neuen Kameras.

Aber das Gefühl selbst bessere Fotos zu machen hört so schnell nicht auf.

In dich selbst und deine Weiterentwicklung zu investieren macht mehr Spaß, ist produktiver und bringt dich wesentlich weiter.

 

Deine Kamera kann weit mehr, als du denkst.

Du musst keine neue Kamera kaufen. Du mußt nur aufhören dir einzureden, dass eine neue Kamera deine Fotos besser machen würde.

Das kannst einzig und allein du selbst!

 

Christian Anderl
Christian Anderl
Shootcamp.at Gründer, Papa, Fotograf, Speaker. Ich mag Menschen viel lieber als Fotografie. Kameras sind ein Werkzeug um mit Menschen zu arbeiten, nie umgekehrt. Ich bin überzeugt, das Leben macht mehr Spaß, wenn man das was man tut nicht nur für sich selbst, sondern vor Allem für andere tut. Shootcamp ist der Beweis meiner These ;-)

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